Open Source Geschäftsmodelle

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Diese Seite ist eine Übersetzung und Fortführung des Artikels Open Source Business Models.

Zusammenfassung

Der folgende Text erläutert das Freie Software Lizenzmodell und die Open Source Entwicklungsmethodologie. Im zweiten Teil wird die allgemeine Motivation hinter der Entwicklung von Software beleuchtet und die damit assoziierten Geschäftsmodelle vorgestellt. Der dritte Teil zeigt den Einfluss den dieser Paradigmenwechsel auf die Wirtschaft hat und bringt ihn in den Kontext der räumlichen Datenverarbeitung.

Contents

Einführung in Freie und Open Source Software

Normalerweise werden die Begriffe "Freie Software" und Open Source heute synonym verwendet und als FOSS oder FLOSS abgekürzt (hierbei steht das "L" für "Libre", um den Bezug der Konzepte mit dem Begriff Freiheit zu unterstreichen.

Freie Software Lizenzmodelle

Der Begriff "Frei" in Freie Software bezieht sich auf den Grad der Freiheit, die dem Anwender eingeräumt werden und nicht auf frei im Sinne von "gratis" oder Freibier. Freie Software Lizenzen (wie die bekannte GNU GPL, MIT oder BSD Lizenzen) sind genauso rechtlich bindend wie proprietäre Lizenzen es handelt sich also nicht um etwas undefiniertes, sondnern gibt klare Bedingungen der Nutzung der Software vor. Die meiste solchermaßen lizenzierte Software steht zwar auch kostenfrei zur Verfügung, der Schwerpunkt der Lizenz liegt jedoch auf den dem Benutzer gewährten Freiheiten. Zu diesen Rechten und Freiheiten zählen:

  • Die Software kann überall von jedem und für jeden Zweck genutzt werden
  • die Algorithmen der Software dürfen analysiert, geändert und verbessert werden
  • die Software darf an jeden weitergegeben werden, sowohl im Originalzustand als auch in einer veränderten Version.
  • die Software darf (und soll) für kommerzielle Geschäftsmodelle verwendet werden
  • die Herstellung, Veränderung und der Einsatz der Software kann unter ganz normalen, kommerziellen Bedingungen erfolgen.
  • Es können Dienstleistungen angeboten werden, von der Beratung über Entwicklung, Schulung, Wartung bis zu weitergehenden Servicedienstleistungen (z.B. Software as a Service oder "SaaS").

Freie Software Lizenzen zeichen sich durch diese Freiheitsgrade aus. Vollständige Listen anerkannter und geprüfter Lizenzen findet sich bei der Free Software Foundation (http://www.gnu.org) und der Open Source Initiative (http://www.opensource.org).

Proprietäre Software

Das Gegenteil von Freie Software sind propritäre Lizenzen. Der feine Unterschied ist, dass der Besitzer der proprietär lizenzieren Software einige oder alle Freiheiten im Umgang mit der Software mit rechlichen Mitteln verbietet. Wer die Verbote bricht, wird straffällig. Ihnen (dem Lizenznehmer) wird verboten die Software auf mehr Instanzen zu nutzen, die Sie lizenziert haben. Ihnen wird üblicherweise auch verboten, die Softare zu zerlegen, um zu verstehen wie sie intern funktioniert. Ihnen wird verboten die Software zu verändern, auch wenn Sie damit nur einen Fehler beheben. Sie dürfen die Software normalerweise auch an niemand weitergeben. In einigen Fällen wird Ihnen sogar verboten durch die Nutzung der Software Geld zu verdienen, z.B. zu Trainingszwecken oder um Wartungsdiensleistung anzubieten. In anderen Fällen dürfen Sie die Software nur verwenden, um Dienstleistungen anzubieten, wenn Sie eine spezielle, zusätziche Lizenz erwerben. In den allermeisten Fällen kaufen Sie die Software auc gar nicht, sondern nur ein zeitlich und oft sogar räumlich begrenztes Recht sie zu nutzen. Im Grunde genommen werden proprietäre Lizenzen nur entwickelt, um Ihnen genau die Freiheiten zu nehmen, die Freie Software explizit gewährt. Das hört sich ziemlich negativ an, vor allem für Sie als Anwender und Benutzer, ist es aber eigentlich nicht. Denn Sie gehen diese Verträge ja (zumeist) freiwillig ein und es ist auch rechtlich nichts daran auszusetzen. Es handelt sich dabei lediglich um ein weithin akzeptiertes Geschäftsmodell. Für einige Jahre war es auch ein sehr erfolgreiches Modell und hat Bill Gates zeitweise zur reichsten Mann der Welt gemacht. Aber proprietäre Lizenzmodelle sind aus unterschiedlichen Gründen im Niedergang begriffen.

Open Source Entwicklungsmodelle

In den meisten Fällen können die Begriffe "Open Source" und "Freie Software" synonym verwendet werden. Zum Zweck dieser Einführung werden wir den Begriff "Open Source" noch unter einem anderen Aspekt beleuchten. Der Quelltext (Source Code) einer Software enthält alle ihre Funktionen, unverschlüsselt und für Programmierer lesbar. Um die Software zu verändern, Fehler zu beheben oder um sie zu erweitern muss der Quelltext verändert werden können. Deshalb ist Open Source auch eine Grundvoraussetzung für Freie Software. Endanwender werden normalerweise nicht das Bedürfnis entwickeln in den Quelltext ihrer Software zu schauen und nur mit der maschinenlesbaren Version arbeiten. Für viele Fragestellungen ist es dagegen jedoch unerlässlich zu wissen wie die Software genau funktioniert. Auch wenn wir das nicht selbst können weil wir keine Programmierer sind, sollten wir doch zumindest die Möglichkeit haben die Algorithmen und Quelltexte von unabhängiger Stelle prüfen und ggf. ändern zu lassen, um Ihnen einen Grad von Freiheit gegenüber der Monopolstellung des Herstellers ihrer Software zu gewähren. Jede wissenschaftliche Arbeit, z.B. ein physikalisches Experiment, muss per Definition für Dritte nachvollziehbar sein, sonst wird es nicht als allgemeingültig akzeptiert. Mit proprietärer Software ist das üblicherweise nicht möglich, deshalb kann eigentlich mit propritärer Software keine ernsthafte Wissenschaft gemacht werden. Programmierer tendieren ganz natürlich dazu offene Entwicklungsmodelle zu bevorzugen, weil es die Wiederverendung von Quelltexten und die Zusammenarbeit auch zwischen unterschiedlichen Organisationenn wesentlich vereinfacht.

Für viele sind diese Konzepte gänzlich neu, da sie von der proprietären Wirtschaft natürlich nicht kommuniziert werden. Open Source Anbieter sind vergleichsweise weit weniger auf Marketing und aggressive Werbung angewiesen was teilweise dazu führt, dass sie das Thema vernachläsigen. Allerdings hat flächendeckend ein Umdenken eingesetzt, während der Umbruchszeit, die sich über mehrere Jahre hinziehen wird florieren sogenannte hybride Modelle, die versuchen die Vorteile von soowhl proprietären als auch Open Source Modellen zu verbinden.

"Produktzyklen" and Entwicklungsmodelle

Die proprietäre Softwareindustrie spricht von Produktzyklen und suggeriert damit, dass ihre Software nach Abschluss eines solchen "Lebenszyklus" stürbe. Dem ist natürlich nicht so, da Software weder lebt noch sterben kann, nicht rostet, und sich nicht abnutzt und auch nicht verrottet. Gemeint sind Entwicklungszyklen der Software, die mit immer neuen Funktionen aufwarten soll. In der proproitären Welt werden Entwicklungszyklen anders gehandhabt werden als in der Open Source Welt wie im folgenden Teil gezeigt wird.

Vorab sei darauf hingewiesen, dass beide Modelle hier nur exemplarisch vorgestellt werden können und in vielen Fällen eine Mischform der Entwicklung erfolgt.

Illustration 1: Proprietäre and Open Source Entwicklungsodelle

Die Motivation Open Source Software zu entwickeln und zu pflegen ist grundverschieden von der Motivation eines propritären Herstellers (siehe Abbildung 1). Auf der linken Seite der Abbildung wird ein typsicher Produktentwicklungszyklus dargestellt. Die Motivation des Herstellers ist Profit. Um diesen zu erzielen wird zunächst vor der eigentlichen Entwicklung eine Marktstudie erstellt, um die Profitabilität der Software zu ermitteln. Der Markt wird aus wirtschaftlicher Sicht analysiert, ein Produkt entworfen und dann als Entwicklungsauftrag formuliert. Dieser geht an ein Entwicklungsteam, das einen ersten Prototyp der Software implementiert und dann Entwicklung und Test teilweise externen Testern iteriert. Eine Besonderheit ist, dass alle Tests typischerweise zunächst geheim erfolgen, um dem Mitbewerb das eigene Know-How vorzuenthalten und mögliche Schwächen der Software geheimzuhalten. Die Iteration dieses Vorgangs erfolgt bis zu einem strategischen Termin. Dieser Termin ist nicht die Fertigstellung der Software (Software ist im Grunde genommen nie richtig fertig), sondern orientiert sich wieder am Markt, z.B. Zu einer wichtigen Messe oder wenn eine neue Hardware auf den Markt kommt, im Endverbrauchermarkt zu Weihnachten, etc.

Auf der rechten Seite der Abbildung (Open Source) wird die evolutionär bedingte Motivation zur Entwicklung von Software dargestellt: Das Lösen eines konkreten Problems. Wenn die Software das Problem gut löst wird sie vermehrt eingesetzt. Es entstehen neue Anforderungen (neue Probleme), die Software wird erweitert (um die Probleme zu lösen). Die Software wird besser, der Funktionsumfang wird erweitert. Wenn das Problem (die Ursache für die ursprüngliche Motivation) sehr verbreitet ist, kann es sein, dass sich nach und nach mehr Anwender zusammenfinden. Das kann dazu führen, dass die Entwicklung breiter wird, sich die Anwender mit den Entwickler zusammenfinden und gemeinsam die Lösung weiter verbessern. In diesem Fall spricht man davon, dass die Lösung zu einem Software-Projekt wird, sich also von einer speziellen Lösung für einen einzelnen Anwender in eine allgemeinere Lösung für mehrere Anwender entwickelt. Ein Merkmal dafür, dass das Projekt gedeiht kann z.B. Sein, dass die Software internationalisiert wird, also mehrere Sprachen unterstützt. Alle Prozesse, Entscheidungen, Tests und Planungen der Entwicklung erfolgen dabei öffentlich.

Hier wird der zweite große Nachteil des proprietären Geschäftsmodells offensichtlich: Weil Planung, Entwicklung und Test hinter verschlossenen Türen erfolgen leiden die Qualität und die Nähe zum Anwender.

Der offensichtliche Vorteil des Open Source Entwicklungsmodells wurde bereits in vielen Projekten nachgewiesen, ein bekanntes Beispiel ist der Apache HTTP server, der bereits heute 70% des globalen Marktes bedient. Spezieller in der räumlichen Datenverarbeitung zeigen Softwarepakete wie GDAL/OGR, PostGIS, Projj4, MapServer, GeoTools und viele weitere mehr den gleichen Effekt.

Das Open Source Entwicklungsmodell hat so viele Vorteile, dass inzwischen auch alle größeren proprietären Softwarehersteller dazu übergegangen sind selbst Open Source Methoden anzuwenden. Dazu zählen die allseits beliebten "Crash Reports": Möchten Sie die Information an den Hersteller senden? In manchen Fällen erfolgte diese Meldung sogar automatisch ohne den Benutzer davon zu informieren weil es schwer ist alte Gewohnheiten der Geheimhaltung abzulegen. Das Ergebnis der Crash Reports wird wiederum als Flicken (Patches) veröffentlicht, die dem Anwender in regelmäßigen Abständen zur Aktualisierung angeboten werden, oft allerdings auch nur, wenn ein Wartungsvertrag besteht. Ein grundsätzlicher Unterschied ist auch hier, dass der Anwender nicht erfährt wann welches Problem aufgetreten ist, ob es gelöst wird und wann. Es besteht keine Klarheit darüber, wie Probleme und deren Lösungen in der Entwicklung priorisiert werden. Für das Geschäftsmodell des proprietären Herstellers kann es nämlich von Vorteil sein, die Lösung bestimmter Probleme auf die nächste Version zu verschieben, um den Kunden in den Zugzwang zu versetzen eine kostenpflichtige Aktualiserung der Software vorzunehmen. Bei Open Source sind sowohl die Fehlerberichte, als auch deren Lösung und die gesamte Planung der Entwicklung öffentlich.

Open Source und Sicherheit

Auf den ersten Blick kann es scheinen, als würden sich die generelle Offenheit von Open Source und Sicherheit widersprechen. Das liegt daran, dass wir es gewohnt sich Sicherheit damit zu verbinden etwas wegzusperren und dadurch den Zugriff durch unbefugte Dritte zu unterbinden. Deshalb scheint ein proprietäres Entwicklungsmodell, in dem schon der Code geheimgehalten und nur hinter verschlossenen Türen entwickelt wird zunächst auch irgendwie "sicherer". Eines der ersten Paradigmen von Sicherheit in der Softwareentwicklung lautet jedoch, dass Sicherheit durch Geheimhaltung (security by obscurity) hoch problematisch ist. Deshalb wird umgekehrt darauf Wert gelegt, dass alle Algorithmen, Architekturen und Konzepte die für die digitale Sicherhereit möglichst offen entwickelt werden. Nur so erreichen sie die maximale Breite an Aufmerksamkeit für möglichst viele unterschiedliche Anwendungsfälle, die wiederum unterschiedlich Testfälle und Lösungsansätze ermöglichen. Hinzu kommt, dass die Anwendung dieser Konzepte, Architekturen und Algorithmen gar nicht möglich wäre, wenn sie nicht vollständig dokumentiert und offen verfügbar wären. Es gäbe immer einen inneren Ring Eingeweihter, die ihre eigenen Sicherheitslösungen natürlich umgehen können. Deshalb hat sich in der Software (und nicht nur dort) ein anderes Vorgehen entwickelt. Ein ausgezeichnetes Beispiel sind Zertifikate mit öffentlichem und privatem Schlüssel. Die Software verschlüsselt dabei Information mit einem öffentlich bereitgestellten Schlüssel, Nur unter Verwendung des geheimen Schlüssels kann diese Nachricht dekodiert werden. Weder beim verschlüsseln, noch beim entschlüsseln muss die Software etwas "geheimes" tun. Das einzige was geheim bleibt ist der Schlüssel selbst, typischerweise eine lange Kette von Ziffern und Zeichen, die nur dem Besitzer bekannt sind.

Die Verschlüsselungsprotokolle, die im Internet genutzt werden funktionieren auf diese Weise, nur so ist es z.B. möglich über Online-Banking (weitgehend) sichere Geld-Transaktionen zu tätigen. Software, die echte Sicherheit implementiert muss so entworfen werden, dass sie vollständig und absolut transparent und nachvollziehbar funktioniert. Nur durch die Öffnung aller Prozesse, Architekturen, Konzepte und Algorithmen für so viele Entwickler und Sicherheitsexperten wie möglich kann eine relative Sicherheit erzielt werden.

Propritäre Black-Box Sicherheitssysteme können zunächst sehr sicher sein und schwer zu knacken. Die Geschichte zeigt jedoch, dass bisher jedes Verschlüsselungssystem und jede Sicherheitsmaßnahme irgendwann aufgebrochen wurde. Deshalb ist es um so wichtiger den Zeitpunkt zu erkennen bei dem ein System nicht mehr sicher ist, um Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Deshalb basieren heute die meisten Sicherheitssysteme auf Konzepte und Algorithmen, die mit dem Open Source Entwicklungsmodell erarbeitet wurden. Das bedeutet nicht, dass proprietäre Software per Definition unsicher ist, sie kann mit den gleichen Konzepten und Algorithmen arbeiten und eine ebenso hohe Sicherheit erzielen – und genau das wird auch gemacht. Nur weiss man nicht wie die Software implementiert wird , weil der Quellcode nicht offenliegt und deshalb nicht unabhängig überprüfbar ist.

Ein Beispiel aus der räumlichen Datenverarbeitung ist das US-Department of Defense (DoD). Ursprünlich war das DoD einer der Hauptentwickler der Open Source Software GRASS (das Geographic Resource and Analysis Support System). Mit dem Aufkommen proprietärer Software in den 80ern und 90ern und dem damit verbundenen Versprechen der Hersteller, massiv die Kosten reduzieren zu können, wurde nach und nach auf propritäre, sogenannte "Commercial-off-the-Shelf" (CotS) Software umgestellt. Die Hoffnung war, dass hierdurch die Gesamtkosten für den Betrieb von Software (Total Cost of Ownership) reduziert werden könnten. Folgestudien des DoD in den letzten Jahren zeigen jedoch, dass Open Source dem propritären Modell aus finanzieller Sicht in nichts unterlegen und in Bezug auf Sicherheit weit überlegen ist. Als Ergebnis dieser Studien hat das DoD seine Beschaffungstrategie geändert [DoD, 2009] und unterscheidet proprietäre und Open Source Software nicht mehr grundsätzlich, sondern beide werden synonym als "kommerzielle Software" behandelt. Besonders in den USA war das ein aufsehenerregendes Ergebnis, da der größte Anteil militärischer Software von US-Unternehmen hergestellt und proprietär vertrieben wird, hier also aus rentabilitäts- und Sicherheitsapekten eine ganz klare strategische Entscheidung gegen die eigene Wirtschaft getroffen wurde.

FOSS Geschäftsmodelle

Typischerweise werden Dienstleistungen wie Schulung, Training, Installation, Implementierung und Wartung als primäre FOSS Geschäftsmodelle genannt. Es ist jedoch deutlich einfacher den umgekehrten Weg zu gehen und explizit zu beschreiben was das proprietäre Geschäftsmodell ausmacht, da es nur einen Bruchteil der Umsätze im globalen Markt ausmacht. Schätzungen zeigen, dass lediglich weniger als 5% des Umsatzes in der Softwarebranche aus dem proprietären Lizenzverkauf erzielt werden [Bruce Perens, 2005]. Des weiteren gibt es keine zuverlässige Methode den positiven Netto-Effekt einer bestimmten Software gegenüber einer anderen zu beziffern (egal ob Open Source oder propritär), da es keine wissenschaftlich valide, vergleichbare Grundlage gibt.

Ein Grund warum sich Open Source Modelle in der räumlichen Datenverarbeitung besonders früh und weit verbreitet haben ist die inhärente Zusammengehörigkeit (connectedness) von Geodaten. Ähnlich wie Wissen, dass nur in Verbindung mit anderem Wissen sein größtes Potential entfalten kann, ergeben Geodaten besonders dann einen Mehrwert, wenn sie mit anderen Daten und Geodaten verbunden und verschnitten werden. So wie der Quelltext einer Software nichts anderes ist als kodiertes Wissen, sind auch Geodaten nur dann sinnvoll einsetzbar, wenn sie mit anderen Geodaten in Kontext gesetzt werden.

In der Geo-Branche hat sich eine gesunde Wirtschaft auf Basis von Open Source etabliert, im Service Provider Directory der OSGeo werden bereits merh als 150 Unternehmen genannt. Dieses Verzeichnis ist bei weitem nicht vollständig und zeigt lediglich einen Ausschnitt besonders aktiver Unternehmen und Berater. Open Source Technologie wird inzwischen flächendeckend von den meisten Firmen der Branche angeboten, vom ein-Mann Unternehmen bis zu ganzen Abteilung multinationaler Konzerne wie die Telekom oder IBM.

FOSS Modelle in der globalen Wirtschaft

Open Source Entwicklungsmodelle sind proprietären zweifellos überlegen. Das wurde in den letzten 20 Jahren durch alle großen Software-Unternehmen nachgewiesen. Als Pionier der Szene erkannte das weltweit größte Software-Unternehmen IBM frühzeitig den Paradigmenwechsel und setzt bereits seit vielen Jahren auf Open Source, integrierte es nahtlos mit bestehenden Geschäftsmodellen und setzte es bei Kunden durch. Noch heute ist IBM ein hybrider Anbieter und setzt sowohl auf propritäre Produkte als auch auf altbewährte Open Source Modelle.

Heute haben alle großen kommerziellen Softwarehäuser Open Source Modelle strategisch adaptiert, sogar die am stärksten vom Lizenzgeschäft abhängig operierende Unternehmen wie Oracle oder Microsoft.

In der Geo-Branche werden Open Source Komponenten ganz selbstverständlich in das eigene Produkt integriert – natürlich nur, wenn es mit den eigenen Kerninteressen und dem Lizenzgeschäft nicht in Konflikt steht. Zwei aktuelle Beispiele zeigen wie das funktioniert und wo die proprietären Hersteller derzeit die Grenzen ziehen.

Oracle bietet seinen Kunden vollständige Unterstützung für GNU Linux Betriebssysteme. Damit spart Oracle die Lizenzkosten für ein vergleichbares Betriebssystem des Rivalen Microsoft und kann dem Kunden ein günstigeres Angebot machen. Viele GNU Linux Betriebssysteme beinhalten allerdings bereits die Datenbank PostgreSQL, was in direkter Konkurrenz zu Oracles Kerngeschäft steht. Oracle setzte kurzerhand eine eigene Version des beliebten GNU Open Source Betriebssystem auf, taufte es "Unbreakable Linux" und liefert es ohne Unterstützung der Datenbank PostgreSQL aus. Wie bei allen GNU Linux Systemen kann man auch hier nachträglich PostgreSQL installieren und nutzen, der normale Anwender wird das aber normalerweise nicht tun.

Die Firma ESRI unterstützt auf nachhaltigen Kundendruck hin die Datenbank PostgreSQL und kann damit seinen Kunden die Oracle Lizenzkosten ersparen. Allerdings wurde hier wiederum die Datenbankerweiterung PostGIS nicht unterstützt, weil das dem hauseigenen Produkt ArcSDE Konkurenz machen würde. Erst seit der mehr oder weniger herstellerneutrale Schnittstellenspezialist Safe Software in seinem Produkt FME die Unterstützung von PostGIS implementierte – und damit indirekt auch den Im- und Export von und nach ArcGIS Server und ArcSDE, unterstützt ESRI PostGIS, allerdings nur mit vielen Einschränkungen.

Die Komplexität von Firmen-Übernahmen und deren Langzeiteffekte sind ausgeprochen schwer voruaszusagen wie derzeit bei der Übernahme der Firma MySQL AB durch die Firma Sun Microsystems und diese widerum durch Oracle zeigt. Egal wie die Geschichte ausgeht (derzeit wird die Fusion von der Europäischen Kommission begutachtet) zeigen die Vorgänge, dass es sowohl finanziell als auch strategisch ratsam ist keine monolitischen proprietären Lösungen einzusetzen, sondern Open Source einzusetzen und die eigene Softwarelandschaft möglichst sinnvoll zu diversifizieren.

Der Proprietäre Konflikt

Open Source Software kann ausgezeichnet mit proprietären Komponenten gemeinsam genutzt und integriert werden, vor allem wenn sie offene Standards wie die des OGC (Open Geopsatial Consortium) unterstützen. Anders sieht es bei den Geschäftsmodellen aus, die erheblich schwieriger zu integrieren sind, da proprietäre Geschäftsmodelle vollständig auf erzwungener Exklusivität beruhen und damit in klarem Kontrast zu Open Source Modellen stehen. Das führte vor allem in den letzten Jahren immer wieder zu Auseinandersetzungen der betiligten Parteien, die teilweise geradezu in Religionskriegen ausarteten. Bei näherer Betrachtung werden die Probleme der propritären Geschäftsmodelle schnell offensichtlich, es ist ein krampfartiger Versuch den evolutionären Prozess in der Softwareentwicklung zu bremsen oder zu stoppen, um weiter mit dem bewährten Modellen Geschäfte machen zu können.

Wie wir oben gezeigt haben sind die Vorteile von FOSS weder religiöser, noch altruistischer Natur, sondern begründen in einem effektiveren Entwicklungsmodell. Open Source erfüllt schlichtweg die Erfordernisse moderner, qualitativ hochwertiger Softwareentwicklung besser als geschlossene Modelle. Der Grund für den nicht zu leugnenden vorübergehenden Erfolg propritärer Modelle lag in der mangelnden weltweiten Vernetzung der Akteure. Bis in die späten neunziger gab es noch kein ubiquitär verfügbares Internet. Der Vertrieb von Software hing vollständig von herkömmlichen Verteilmechanismen ab, Software wurde auf physikalischen Datenträgern (zuerst Bändern, dann Disketten, zuletzt CD und DVD) ausgeliefert. Damit war der Vertriebsweg an Ladengeschäfte und Versand gebunden, typischerweise in Kombination mit Hardware. Microsoft hat über viele Jahre eine Monopolstellung aufbauen können und mit einem unvorstellbar feingliedrigen Netz von Abhängigkeiten sowohl der Hardware- als auch anderer Softwareanbieter gefestigt. Erst mit dem flächendeckenden Ausbau des Internet wurde dieses Netzwerk zunehmend überflüssig und durch ein viel effektiveres, das auf Open Source Prinzipien basiert ersetzt. Erst das Internet hat den Durchbruch des Open Source Modells ermöglicht.

Der Verkauf von proprietärer Software geht davon aus, dass zuerst das Geschäft abgeschlossen wird und der Anweder erst dann das Produkt nutzen kann, so wie das bei jedem Produkt ist, dass physikalischen Bedingungen unterliegt (z.B. ein Laib Brot). Bei Open Source entfällt diese Linearität. Open Source Software kann jederzeit in beliebig vielen Installationen auf beliebig vielen Rechnern unter beliebigen Umständen ausprobiert, getestet, verbessert und verworfen werden. Natürlich sind solche Wechsel und Tests mit Kosten verbunden, allerdings sind diese nicht zwingend höher, als propritäre Hersteller immer wieder proklamieren, die meisten Behauptungen dieser Natur sind nicht nachvollziehbar. Das bedeutet auch nicht, dass Open Source immer einfacher zu installieren oder in Betrieb zu nehmen ist. Mögliche Unterschiede sind technischer Natur, es besteht schlichtweg keine nachweisbare Korrelation zwischen Geschäftsmodell und Bedienerfreundlichkeit oder Nutzbarkeit.

Die Bindung an den Raum, dem jedes physikalische Produkt unterliegt, entfällt bei Software. Um diese Bindung künstlich wieder herzustellen wurden eine Zeitlange sogenannte "Dongle" vertrieben. Die Aufgabe der Geräte, die typischerweise als Stecker über den seriellen Port angeschlossen wurden, bestand darin, Lizenzschlüssel zu validieren oder bereitszustellen. So wurde die eigentlich von physikalischen Beschränkungen befreite Software wieder fest an eine zusätzliche Hardware gebunden. Ähnlich verfährt Microsoft noch heute, wenn es bestimmte Merkmale der Hardware wie den Fingerprint der Netzwerkkarte oder der Festplatte kodiert und darauf den Lizenzschlüssel aufbaut. Wird ein Teil der Hardware geändert, verfällt die Nutzungs-Lizenz, selbst wenn die Hardware vollkommen kompatibel ist. Es muss erst ein neues Schlüssel erzeugt werden, der widerum nur auf einer einzigen Hardware verwendet werden kann.

Der eigentliche Konflikt zwischen Open Source und propritären Geschäftsmodellen ist anderer Natur. Er ist haugemacht und begründet sich hautpsächlich in der unterschiedlichen Bedeutung von Marketing und Werbung. Proprietäre Geschäftsmodelle haben zuviel davon, FOSS zu wenig. Dieses Ungleichgewicht hat sich die propritäre Geschäftswelt zunutze gemacht und hat zu einer Vielzahl von Meinungsmache geführt, im Englsichen treffend als "FUD" (Fear, Uncertainty and Doubt – Angst, Unsicherheit und Zweifel) gegenüber den Open Source Entwicklungsmodellen geführt. Nachvollziehbarerweise hat dies auf Seite der Open Source Verfechter zu Gegenreakionen und unbegründeten Anfeindungen geführt, die von meist nicht geschulten Open Source Aktivisten und Entwicklern oft auch irrational und emotional geführt wurde. In den letzten Jahren hat sich die Open Source Bewegung jedoch formiert und organisiert und konnte zumindest einen Teil der unbegründeten Argumente gegen Open Source fachlich ausräumen. Inzwischen ist Open Source ein technologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich akzeptierter Bestandteil der Software-Welt geworden.

FOSS wird es zunehmend schwieriger machen propritäre Monopole aufrechtzuerhalten, nicht zuletzt durch bestechend gute Software, die durch die hohe Vernetzung aller Aktuere ermöglicht wird. Vor allem Monopolisten aller Branchen tun gut daran sich frühzeitig auf diesem neuen Markt zu orientieren und wie IBM Alternativen zu ihren geschlossenen Geschäftsmodellen zu entwickeln und umzusetzen. Zu den positiven Aspekten dieser Entwicklung gehört, dass vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen ein viel höherer Stellenwert in der Softwareentwicklung zuteil wird, auch in der globalisierten Welt. Nicht zuletzt ist das auch eine Chance für die öffentliche Verwaltung, die ihre eigene Wirtschaft unterstützt und nicht Devisen an transnationale Konzerne anführt, ohne einen Einfluss darauf zu haben wo die Entwicklung hingeht.

Zusammenfassung

Es kann mit Sicherheit festgehalten werden, dass sich Open Source Modelle durchgesetzt haben und bleiben werden. Veränderungen in Orgnisationen benötigen Zeit, typischerweise mehr je größer die Orgnaisation ist. Allein deshalb werden sich propritäre Geschäftsmodelle noch eine ganze Weile neben Open Source Modellen halten können. Unternehmen, die hundertschaften von Vertriebspersonal beschäftigen werden ihre Geschäftsmodelle nicht in wenigen Jahren vollständig umbauen können. Das gleiche gilt für Anwender der Geo-Branche, die mit riesigen Datenbeständen arbeiten und hochkompliuzierten Prozessen implementiert haben, z.B. Kataster- und Vermessungsämter oder Energieversorger. Je größer die Abhängigkeit von propritären Herstellern bereits geworden ist (im Englischen als "Vendor-Lock-In" bezeichnet), um so größer ist der Aufwand, der erforderlich ist, um sich umzuorientieren. Andererseits hat die Geo-Branche schon immer stark aus standardisierung gesetzt, allein schon aus den bereits erwähnten Eigenschaften von Geodaten immer vernetzbar sein zu müssen. Die Richtung ist vorgegeben, sie lautete Konvergenz von offenen Standards und Open Source.

Referenzen und weiterführende Literatur