Eigentum

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Eigentum ist eine eigentümliche Eigenschaft, die Menschen eigen macht.

Was verbinden wir mit Eigentum? Zunächst besteht eine unheimliche Ähnlichkeit mit dem Adjektiv eigentümlich. Des weiteren werden verschrobene, absonderliche Menschen auch als "eigen" bezeichnet. Schnell landet man beim Besitz - doch halt, das ist etwas ganz anderes. Besitz ist einfach. Unglaublich einfach sogar: Wer drauf sitzt, der besitzt. Besetzer und Hausbesitzer sind gleichermaßen jemande, die etwas in Besitz genommen habe, ob rechtens oder nicht ist an dieser Stelle irrelevant.

Es handelt sich bei Eigentum um eine ganz eigene Begrifflichkeit.

Deutsche Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm

EIGENTHUM, n., der älteren sprache mangelnd, nnl. eigendom, schwed. egendom, dän. eiendom scheinen dem nhd. ausdruck abgesehen. isl. eigindômr war noch nicht altn., überall galt früher das einfache eigen. wann wol eigenthum zuerst vorkommt? DIEFENBACH verzeichnet es nicht unter dominium 190a, wol aber unter proprietas 466b, DASYPODIUS hat es 322d, MAALER nicht, also schon vor LUTHER war es vorhanden.

1) eigenthum an sachen, sowol liegendem grund als fahrender habe: nimpstu einen frembden zu dir ein, so wird er dir unruge machen und dich aus deinem eigenthum treiben. Sir. 11, 35; er kam in sein eigenthum und die seinen namen in nicht auf (vulg. in propria venit, gr. εις τα ιδια, also goth. in þô svêsôna?) Joh. 1, 11. man sagt heute das eigenthum des grundstücks, des pferdes, proprietas praedii, equi.

auf den wellen ist alles welle,
auf dem meer ist kein eigenthum.
         SCHILLER 497b.

2) eigenthum an leuten: werdet ir nu meiner stimme gehorchen und meinen bund halten, so solt ir mein eigenthum sein. 2 Mos. 19, 5; und solt sie (die fremdlinge) besitzen und ewre kinder nach euch zum eigenthum fur und fur, die solt ir leibeigen knechte sein lassen. 3 Mos. 25, 46; dich hat gott dein herr erwelet zum volk des eigenthums. 5 Mos. 7, 6; und der herr hat dich erwelet, das du sein eigenthum seiest. 14, 2; das wir sein eigenthum würden (vulg. in redemptionem acquisitionis,

Bd. 3, Sp. 102

εις απολυτρωσιν της περιποιησεως, du frabauhtai gafreideinais). Eph. 1, 14. mein eigenthum 2 Mos. 19, 5 ist das eigenthum gottes, der gen. geht auf den herrn, das eigenthum der knechte gienge auf die eignen, man musz also sagen eigenthum über die knechte, an den knechten.

3) eigenthum bildlich: zum ruhigen besitz eines unangefochtenen eigenthums von ruhm und ansehn gelangen. WIELAND 24, 28; nach dem absterben erleiden organische körper zersetzung und ein theil derselben wird dadurch eigenthum der leblosen natur. HAUSMANN einl. in die mineralogie. 1828. §. 10; eine wissenschaft oder einen satz derselben zu seinem eigenthum machen, sich aneignen;

der berg der ist mein eigenthum,
ich bin der knab vom berge.
        UHLAND ged. 1845 s. 27.

4) eigenthum für eigenthumsrecht:

und wie der eulen nachtgewohnte brut
von der zerstörten brandstatt, wo sie lang
mit altverjährtem eigenthum genistet,
auffliegt in düsterm schwarm, den tag verdunkelnd.
        SCHILLER 500a.

5) eigenthum für eigenheit:

sich selbst verachten ist der thoren eigenthum.
        GRYPHIUS 1, 668;
misgunst sei sonst wie sie wil, dennoch ist ihr eigenthum,
dasz sie immer mehr verklärt als vertunkelt unsern ruhm.
        LOGAU 3, 109, 43.

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (Kluge)

eigentümlich Adj. std. (15. Jh.). Zu Eigentum n., dem Abstraktum von eigen Adj. gebildet, zunächst mit der Bedeutung "als Eigentum zugehörig", dann "jemand als Besonderheit zukommend, typisch", und schließlich "merkwürdig".

Recht

Eigentum ist ein Konstrukt. Es ist nicht real. Die Auswirkungen der Anwendung jedoch sind real. Ursprünglich bezog sich Eigentum wohl in der Hauptsache auf Behausung, ein Dach über dem Kopf. Von Anfang an gab und gibt es Unterschiede in der Handhabung von Recht in Bezug auf Eigentum, besipielsweise zwischen der angelsächsischen und deutschen Rechtssprechung.

Im folgenden Beispiel wird die Verteilung des Risikos und die Gültigkeit des Vertrags zwischen Verkäufer und Käufer unterchiedlich geregelt:

Aus: http://www.jstor.org/pss/756652

Some legal systems, such as German law, adopt the rule that ownership,
together with the risk of accidental loss or destruction of the
subject-matter, is not transferred until delivery. Others, such as
Englsih law, select the first possible moment at which to effectuate 
the agreement, and accordingly vest the property and risk in the
buyer as soon as the contract is concluded.