Digitale Güter

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Digitale Güter vermehren sich durch Teilen

Unser Wirtschaftssystem ist durch die Verfügbarkeit und Verknappung von Ressourcen bestimmt. Der Markt wird weitgehend von Angebot und Nachfrage geregelt. Für die digitale Welt ist dieses System nicht gerüstet, da es auf Materie basiert, also Gegenständen. Digitales (nicht-Gegenständliches) verhält sich jedoch grundlegend anders als "Dinge". Das ist keine Fiktion oder Utopie, sondern einfache, solide Fakten.

Um die Problematik zu erläutern greifen wir kurz auf die Entwicklung von Open Source Software zurück. Die Parallelen zwischen Open Data und Open Source sind unübersehbar. Die von der Open Knowledge Foundation erarbeitete Open Data Definition basiert in den Klauseln 7, 8, 9, 10 und 11 auch auf den Artikeln 5, 6, 7, 8 und 9 der Open Source Definition. Die Open Source Community zeigt seit über zwei Jahrzehnten, dass mit nicht-materiellen Gütern auch ohne eine künstliche Verknappung durch restriktive Lizenzen lukrativ gewirtschaftet werden kann.

Zunächst sei festgestellt, dass die Kosten zum kopieren einer Softwaredatei praktisch vernachlässigbar sind. Ganz schnelle können das gleich selbst testen, indem sie die Tastenkombination "Strg" und "C" gefolgt von "Strg" und "V" auf der Tastatur eingeben. Nach diesem Kopiervorgang besitzen Sie zwei identische Kopien des gleichen "Produktes". Dieses können Sie weiter duplizieren, praktisch grenzenlos oft. Wichtig ist dabei festzuhalten, dass die "Kopie" nicht vom Original unterscheidbar ist, sie sind wirklich identisch. Sie könnten also sogar ohne jeglichen Verlust die "Originalkopie" abgeben, wenn sie denn überhaupt unterscheidbar wäre. Dieser Vorgang ist praktisch unbegrenzt wiederholbar. Wenn diese Kopie weitergegeben wird, kann der Empfänger diese "Ding" wieder praktisch ohne Kosten beliebig oft kopieren und weitere Duplikate erstellen.

Das macht digitale Güter zu einer unerschöpflichen Ressource. Das sollte man sich gleich noch mal richtig klar machen, weil es in unserer durch und durch materiellen Welt so ungewohnt ist. In unserer durch Angebot und Nachfrage geregelten Marktwirtschaft ist es unerhört, dass sich eine Ressource nicht erschöpfen soll. Es widerlegt vollständig das System und bis zum digitalen Zeitalter war es auch schlichtweg unmöglich. Eine vorsichtige, erste Ahnung dieser Möglichkeit bot sich mit der Erfindung des (Massen)-Buchdrucks, einem früheren Meilenstein in der Entwicklung der Kultur der Menschheit.

Der zweite wichtige Aspekt ist, dass sich ein digitales Gut durch Benutzung nicht verbraucht sondern sogar vermehrt. Durch die Benutzung (in der Art von "kopieren") vervielfältigt sich das Gut. Das ist ebenfalls in einem Wirtschaftssystem, das auf Knappheit von Ressourcen basiert unerhört und unmöglich.

Experiment

Um die Dimension dieses Paradigmenwechsels zu verdeutlichen kann man ein einfaches Experiment durchführen. Der erste Teil dauert nur eine Minute:

Teil 1

Nachweis der praktisch kostenfreien Vermehrung digitaler Güter

Kopieren Sie eine Datei von der Festplatte ihres Computers auf einen USB Stick. Alternativ können Sie auch ein Bild von einem Freund auf Facebook "teilen" (Englisch: "share") oder ein PDF-Dokument mit einem schönen Gedicht per Email an drei Bekannte verschicken. Anschließend sehen sie nach, ob die Datei, das Bild auf Facebook oder das PDF-Dokument noch vorhanden sind.

Teil 2

Nachweis der Grenzen der Vermehrung materieller Güter

Der zweite Teil des Experiments könnte etwas länger dauern, aber Sie werden schnell verstehen worauf es hinausläuft: Nehmen Sie dazu bitte einen Backstein und duplizieren sie ihn zehn- bis zwölftausend Mal, damit wir ein Haus damit bauen können. Jedes Duplikat des originalen, ersten Backsteins sollte dabei praktisch kostenfrei zu haben sein. Wenn das geklappt hat melden Sie bitte gleich ein Patent an, weil Sie dann eine wirklich erstaunliche Erfindung gemacht haben die sie zu einem sehr reichen Menschen machen wird.

Materielles und virtuelles sind grundverschieden. Q.E.D.